Familienzusammensein

Beziehung und Achtsamkeit

  1. „Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“

Maria Montessori (1870-1952)

Wir kommunizieren in jeder Begegnung mit unseren Kindern – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Wie und was wir kommunizieren, hat nicht nur Auswirkung auf unsere Beziehung zu ihnen, sondern prägt maßgeblich ihr Selbstbild und ihr Selbstgefühl. Unser innerer Zustand, das Bild, das wir vom Kind haben, wie wir uns ihm zuwenden, es ansehen, wie wir es berühren, ja sogar unsere Gefühle und Gedanken – all dies hat Auswirkungen auf das Kind, auf seine Entwicklung, die Art und Weise wie es sich selbst sieht und die Beziehung, die es zu sich selbst entwickelt. Dies geschieht ganz automatisch, ob wir es wollen oder nicht.

 

Achtsamkeit als Weg zueinander

„Die angemessene Wahrnehmung und Deutung der kindlichen Signale und ihre prompte und angemessene Beantwortung sind die vier Aspekte der elterlichen Feinfühligkeit. Feinfühlige Eltern lassen sich in der Unterhaltung und beim Spiel vom Kind führen. Sie spüren seinen Zustand und seine Bedürfnisse, indem sie sich in die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes einfühlen.“ (Wiebe 2010: 120)

Um Feinfühligkeit und Achtsamkeit ins tägliche Familienleben zu integrieren ist es notwendig, die Welt unserer Kinder immer wieder aus ihrer Perspektive – mit den Augen der Kinder – zu sehen.

„Kinder sind anders“ nannte schon Maria Montessori eines ihrer Bücher und wenn wir davon ausgehen, ergeben sich daraus neue Sichtweisen. Gelingt es uns, immer wieder inne zu halten und unsere Kinder zu beobachten, ihnen zuzuhören und die Welt mit ihren Augen zu sehen, dann werden wir ihre Erlebnisweisen besser begreifen können. Es sind alltägliche Erfahrungen, Erlebnisse, Eindrücke und Geschehnisse, die Kinder reifen lassen. Je nach Alter des Kindes oder der Dringlichkeit, müssen Dinge, die ihnen gerade jetzt in den Sinn kommen, in dieser Minute, in dieser Stunde oder an diesem Tag beachtet werden. Kinder und ihre Eltern sind individuelle Persönlichkeiten und müssen sich in ihren Kommunikations-bedürfnissen immer wieder aufeinander abstimmen.

 

Wahrnehmen und Verstehen kindlicher Ausdrucksformen

Kinder haben sechs Ausdrucksformen, um einerseits mit ihrem Umfeld in Kontakt zu kommen, andererseits ihrer Umgebung zu offenbaren, wie es ihnen geht, womit sie sich zurzeit in ihrer Seele auseinandersetzen und was sie suchen oder brauchen, um sich wohlzufühlen und identisch mit sichund der Umwelt zu leben.

  1. Verhalten
  2. Spiel
  3. Bewegung
  4. Sprache/Sprechen
  5. Malen und Zeichnen
  6. Träumen

Diese sechs Ausdrucksmöglichkeiten sind ein unendlich vielfältiges, facettenreiches und ausdrucksstarkes Feld, mit dem Kinder uns Tag für Tag erzählen, wie ihr Seelen(er)leben gestaltet ist. (vgl. Krenz, 2008:207)

In diesen Formen bringen Kinder ihre Gefühle, Bedürfnisse, Ideen und Wünsche zum Ausdruck. Zum Beispiel verstecken sie sich aus Angst unter einem Tisch (Verhalten), spielen ein Rollenspiel (Spiel), tanzen vor Freude (Bewegung), erzählen von ihren Erlebnissen (Sprache) usw. Es liegt an uns Erwachsenen, diese Ausdrucksformen zu verstehen und zu begreifen. Wozu spielt ein Kind dieses Spiel, wozu erzählt es diesen Inhalt, wozu malt es dieses Bild, wozu hat es diesen Traum gehabt, wozu wählt es diese Bewegung und wozu verhält es sich in dieser Art und Weise?

Häufig brauchen Kinder nur die Möglichkeit, sich in ihrer individuellen und vielfältigen Art mitzuteilen. Es genügt, wenn Erwachsene diese Ausdrucksformen wahrnehmen. Nicht immer wollen Kinder gleich Antworten oder Lösungen. So verarbeiten sie z. B. manche Erlebnisse durch wiederholendes Spiel ohne Beteiligung von Erwachsenen. Kinder zeigen, wenn sie Rückmeldung, Bestärkung oder Hilfe benötigen. Ihr fragender Blick sagt: „Siehst du, was ich gemalt habe?“ Damit lädt das Kind den Erwachsenen zu einer beschreibenden Rückmeldung ein.

Immer wiederkehrendes störendes Verhalten kann bedeuten: „Hilf mir! Ich kenn mich nicht mehr aus!“ Das ist eine Einladung, sich mit dem Kind auf die Suche zu begeben, was ihm zu schaffen macht und was es braucht.

 

Achtsamkeit durch Sprache erleben

Ab ca. 16 bis 18 Monaten hat ein Kind eine feste Vorstellung von dem, was es gerade tun und erreichen will. So entstehen oftmals Interessenskonflikte, die jeden Alltag begleiten. Besonders deutlich bekommen Eltern und andere Bezugspersonen dies zu spüren, wenn sie anderer Meinung sind als ihre Kinder. Die kindlichen Reaktionen reichen von wütendem Gebrüll, sich auf den Boden werfen oder um sich schlagen bis hin zu Rückzug und Kontaktabbruch, je nach Temperament und bisherigen Erfahrungen.

Wenn Eltern in diesen normalen Konfliktsituationen ihrem Kind mit einfühlendem Verständnis begegnen und einige Gesprächsregeln beachten, helfen sie ihm mit diesen natürlichen Frustsituationen zurecht zu kommen.

 

  • ICH Botschaften

Ohne die eigene Position aufzugeben und mit klaren Ich-Aussagen wie „Ich höre, dass du noch gerne bleiben willst, aber wir müssen jetzt gehen, weil der Kindergarten zusperrt.“, fühlt sich das Kind geachtet, auch wenn sein momentaner Frust bleibt. Ich-Botschaften vermeiden Verurteilungen oder Beurteilungen des anderen und vermitteln die Position des Gesprächspartners. Das Bedürfnis des Kindes wird wahrgenommen, ernst genommen und es lernt dadurch, dass es Alltagsspielregeln und Notwendigkeiten sowie unterschiedliche Interessen gibt.

 

  • eindeutige, positive Formulierungen

Wichtig ist, dass Anweisungen eindeutig und positiv formuliert werden, damit das Kind sie verstehen kann. Formulierungen mit „nicht“ werden im frühen Alter noch nicht verstanden. So sollte man „Halte dich gut fest!“ statt „Fall´ nicht runter!“ sagen. Und Sätze wie „Du sollst/musst jetzt sofort…!“ regen eher zum Widerstand an, und dies ganz besonders in der Trotzphase.

Sachliche Hinweise über Konsequenzen sind dagegen nützlich: „Wenn du die Katze am Schwanz ziehst, tut ihr das weh und sie kratzt dich.“ Solche Informationen unterstützen die Entwicklung des Denkens und des Einfühlungsvermögens. Dadurch lernt das Kind, etwas nicht nur von sich aus zu sehen, sondern auch zu bedenken, dass ein anderer Mensch, ein anderes Lebewesen anders denkt und fühlt.

 

  • Achtsame Kommunikation

Eine wertvolle Unterstützung für die Gestaltung von Beziehungen ist die Achtsame Kommunikation, die auf der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg basiert.

Diese vier Schritte bilden die Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation (vgl. Strugholtz o. J.: 9)

  1. Beobachten statt Bewerten oder Interpretieren. – Was nehme ich wahr?
  2. Gefühle wahrnehmen und benennen. – Was fühle ich?
  3. Bedürfnisse wahr- und ernst nehmen. – Was ist mir wichtig?
  4. Auf Grundlage der Bedürfnisse klare und erfüllbare Bitten äußern. – Was erbitte ich?

 

Beispiel aus der Eltern-Kind-Gruppe:

  1. Wahrnehmung: Die Mutter sieht ihre Tochter mit Hingabe mit der Puppe spielen. Beim Blick auf die Uhr merkt sie, dass sie es schon eilig hat, den Sohn rechtzeitig von der Schule abzuholen.
  2. Gefühle: Die Mutter ist enttäuscht, dass sie gleich aufbrechen müssen und sie ihre Tochter nicht fertig spielen lassen kann und sie ist ungeduldig, weil es schon so spät ist.
  3. Bedürfnis wahrnehmen: Die Mutter will den Sohn pünktlich abholen und möchte, dass sich die Tochter beeilt.
  4. Bitte äußern: „Ich sehe, dass du noch mit der Puppe spielen möchtest. Leider müssen wir jetzt deinen Bruder von der Schule abholen. Ich will pünktlich sein, da er sonst alleine warten muss. Bitte lege die Puppe ins Bett und hole deine Jacke!“

Wenn eine Bitte in dieser Weise gestellt wird, kann die Tochter den Wunsch der Mutter leichter verstehen, fühlt sich selbst wahrgenommen und kann dadurch der Aufforderung leichter nachkommen.

Maria Regina Strugholtz  rät sich am Anfang  nur einen Schritt vornehmen, der geübt wird Allmählich wächst die Vertrautheit in der gewaltfreien Sprache zu kommunizieren. Und man beginnt zu staunen über ihre Wirkung nach innen und nach außen.

Die Qualität und Wärme unserer Beziehung zu unseren Kindern hängt auch von unserer Kommunikationsfähigkeit ab. Wahrscheinlich sind Kinder eher bereit mitzuteilen, was sie bewegt, wenn sie nicht bedrängt werden. Wenn Eltern sich verständlich mitteilen, Ich-Botschaften verwenden und achtsam kommunizieren, entsteht eine lebendige Gegenseitigkeit in der Respekt und Vertrauen zueinander wachsen können. Kinder brauchen Offenheit und Gegenwärtigkeit, Liebe und Interesse sowie die Bereitschaft auf sie einzugehen.

 

Ich erfahre von dir, wer ich bin.
In deinen Augen sehe ich mich in deinen Augen
widergespiegelt.
Aus deiner Stimme höre ich
wie du mich siehst.
Du bist der Spiegel, in den ich blicke
und der das Bild meiner selbst formt.
Ich spüre, wie du mich hältst,
und durch deine Berührungen
fühle ich meine Gestalt, meine Form.

Und wenn mir gefällt, was ich sehe
in deinen Augen
in deiner Stimme
in deiner Berührung, antwortet mein Herz und öffnet sich.
Und während es sich immer weiter öffnet,
wächst es und wächst es,
bis ich mich als eigenständig erkenne.
Dieses eigenständige Ich – wiederum –
kann die Liebe erwidern.
Weil du mich gelehrt hast,
wer ich bin,
und dass ich geliebt werde.

Polly Elam (Valentin, 2007: 2)

 

Begegnung im Dialog

Der Dialog mit Eltern ist mehr als ein Gespräch oder eine Diskussion über erwünschtes erzieherisches Verhalten. Er ist ein Übungsweg und ein Mittel für ehrlichen Austausch. Im Dialog wird die kollektive Intelligenz erfahrbar, er schafft Nähe und Verbundenheit zu den Eltern selbst und innerhalb der Elterngruppe. Die Eltern schöpfen Kraft und erkennen, wie das eigene Denken bzw. die eigenen Urteile und Annahmen sowie unsere Gefühle und Wünsche von der jeweiligen Kultur geprägt sind. Der Übungsweg im Dialog „lehrt“ alle Beteiligten wirklich zuzuhören.

Aron Antonovsky untersuchte seit Mitte des letzten Jahrhunderts die „Ursprünge der Gesundheit.“ Unter dem Begriff der „Salutogenese“ (salus, lat.: unverletzt, heil, Glück; Genese: griech.: Entstehung) hat er den Paradigmenwechsel hin zur Ressourcenorientierung entscheidend mitgeprägt. Die salutogenetische Fragestellungen lauten: „Was stärkt uns, was schützt? Was hält Menschen trotz vieler potentieller gesundheitsgefährdender Einflüsse körperlich, emotional und sozial gesund?“

Dialogische Seminare zielen darauf ab, einen „Raum“ für das Erkennen sowie die Festigung und Stärkung eigener Ressourcen zu öffnen. Jeder/jede ist willkommen, unabhängig davon, wie sie/er sich gibt und in der Erziehungspraxis verhält. Wichtig ist ausschließlich die Bereitschaft, sich mit anderen Eltern austauschen zu wollen.

Durch den Erfahrungsaustausch mit Menschen, von denen sie sich verstanden fühlen, erfahren Eltern, dass sie mit ihren Fragen und Problemen nicht alleine stehen. Sie erweitern ihr Wissen und das wiederum wirkt sich positiv auf ihre Erziehungskompetenz aus. Sie lernen voneinander und hören voneinander hilfreiche und sinnvolle aber auch gescheiterte Wege im Alltag.

Unter sensibler Dialogbegleitung geschieht gegenseitige Unterstützung ohne Belehrung. Die Philosophie, die dahinter steckt ist, dass niemand – auch nicht die Dialogbegleitung – weiß, welche erzieherischen Schritte gerade in diesem Augenblick in der jeweiligen Familie die richtigen sind. Stattdessen lernen Mütter und Väter, sich zu trauen, sich zutrauen, Vertrauen in die eigene Wirksamkeit zurückzuerlangen. Sie lernen dies u.a. dadurch, dass sie im Austausch mit anderen sich selbst und ihr Verhalten hinterfragen. Das wirkt sich stärkend auf ihr Selbstgefühl, auf ihre Klarheit und Präsenz aus.

Dialog betont den Respekt vor der Unterschiedlichkeit, vor unterschiedlichen, auch von der Norm abweichenden Lebenswegen, vor dem Tempo individueller Entfaltung, etc. Menschen, die sich auf den Dialog einlassen, erfahren Wertschätzung und Anerkennung, sie erleben, was es heißt, gehört zu werden und sich Gehör zu verschaffen.

Ohne dem perfekten Ideal nachzueifern werden sie ermutigt, ihr eigenes Ideal zu finden, das sich wandeln und entwickeln darf. Die Verantwortung für ihren individuellen „Lernzuwachs“ bzw. „-rückschritt“ trägt jede/jeder für sich.

Der Dialog unterscheidet sich wesentlich von der Diskussion. Er stellt einen Versuch dar, das Potential der jeweiligen Gruppe in den Raum zu holen, von Herzen zu sprechen, zuzuhören, feste Meinungen zu suspendieren und den Redebeiträgen der anderen mit radikalem Respekt zu begegnen. Die TeilnehmerInnen sitzen im Kreis, arbeiten meist mit einem Redesymbol und das Gespräch entwickelt sich aus der Mitte heraus. Fragen werden an die ganze Gruppe gestellt, die Stille und die Verlangsamung des Gesprächs ist ein wesentliches Element. Durch die Verlangsamung können die TeilnehmerInnen auch besser wahrnehmen, welches Gespräch sich in ihrem Inneren entwickelt. David Bohm sprach davon, dass er mit dem Dialog dem menschlichen Denken auf die Schliche kommen möchte. Im Unterschied dazu geht es bei der Diskussion stärker darum, sich mit seiner Meinung durchzusetzen.

In seinen Grundformen kann der Dialog als generativer Dialog – das Thema ist nicht vorgegeben und entwickelt sich aus der Kreismitte – oder als strategischer Dialog mit einem vorgeschlagenen Thema oder einer Frage stattfinden.

 

Ablauf eines Dialogs

Der Ablauf eines Dialogs könnte folgendermaßen aussehen:

  • Gestaltung eines „Containers“ (atmosphärische Gestaltung des Raumes, Plakate mit Sprüchen, Bildern etc. zur Eigenreflexion oder für Gespräche mit anderen TeilnehmerInnen, können auch zum Schmunzeln anregen)
  • Check-in-Runde, Ankommen – Reste-Runde vom letzten Mal, Erfahrungen mit Anregungen für zu Hause
  • Dialogimpuls: Dialogkarussell, Geschichte, Lied, Aussage, Übung, etc. siehe Beispiele in den „Unterlagen zur Gestaltung eines Dialogs“
  • Dialog (Eröffnung mittels Klangschale, Verwendung eines Redesteins) ca. 1 Stunde
  • Abschluss (mittels Klangschale)
  • Achtsamkeitsübung
  • Check-out-Runde, Rückmeldungen auch auf Metaebene, Tanz, Mantras, Stilleübung etc.

 

Kernfähigkeiten des Dialogs

  • Sich als Lernende/Lernenden sehen – „Ich weiß, dass ich nichts von dir weiß.“
  • Radikalen Respekt zeigen – „Ich sehe und akzeptiere dein Anderssein.“
  • Sich öffnen für andere Ansichten und Überzeugungen – „Ich achte auf meine reflexartigen Vor-Urteile.“
  • Von Herzen sprechen – „Ich rede nur von dem, was mich wesentlich angeht.“
  • Zuhören und verstehen wollen – „Ich habe wirkliches Interesse an dem was du sagst.“
  • Annahmen und Bewertungen in der Schwebe halten – „Ich schule meine Achtsamkeit darin, zu erkennen, wann Vor-Erfahrungen zu Vor-Urteilen werden.“
  • Eine Erkundende Haltung einnehmen – „Ich bin bereit meine Rolle als Wissende/Wissender aufzugeben.“
  • Sich selbst im Dialog aufmerksam beobachten – „Ich nehme meine eingefleischten Programme und Denkmuster wahr.“

Nach Hartkemeyer und Dhority, 1999, Miteinander Denken, Das Geheimnis des Dialogs, S. 75-98, Stuttgart

 

Dialog – Regeln

  • Jede/jeder genießt den gleichen Respekt
  • Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an
  • Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“ nur ein Teil des Ganzen ist
  • Ich genieße das Zuhören
  • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen
  • Wir verzichten auf eine einvernehmliche Lösung
  • Wenn ich von mir rede benutze ich das Wort „ich“ und spreche nicht von „man“
  • Bevor ich rede nehme ich einen Atemzug Pause
  • Ich rede von Herzen und fasse mich kurz
  • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

Nach Johannes Schopp, Eltern stärken – Dialogische Elternseminare; Verlag Barbara Budrich; Opladen 2005

 

Gestaltung eines Dialogs     

Die folgenden Anregungen dienen als Beispiele für Dialogimpulse, die von der Dialogbegleiterin/ dem Dialogbegleiter ausgebaut und ergänzt werden sollen.

Kleingruppenarbeit – Dialoggeschichte

Ziel: Gemeinsames Erarbeiten der Kernfähigkeiten des Dialogs

Leitfrage: Was war für mich ein echtes Dialogerlebnis? Welches Bild vom Dialog bringe ich mit? Welche Szene, welche Begegnung, welches Gespräch kommt mir in den Sinn, wenn ich mich daran zu erinnern versuche, was für mich ein echter Dialog war?

Teilnehmende erzählen einander in Kleingruppen eigene dialogische Erlebnisse, jeweils max. 5 Minuten (zu dritt). Bereits beim Erzählen der Geschichten kann auf das eigene Hören und Sprechen geachtet werden. Die Teilnehmenden benennen sodann eine wichtige Qualität, ein Kriterium für ein dialogisches Gespräch und notieren diesen, ihnen wesentlichen Begriff auf einer Karte.

Anschließend werden alle Kärtchen zunächst in die Mitte gelegt. Die Gruppe wird ersucht, eigene Geschichten zu erzählen. Sie versucht, dabei auf grundlegende Dialog-Qualitäten zu achten. Wesentliche Aspekte werden auf einem Flipchart gesammelt. Nach dem Ende der Übung werden die Karten auf eine Pinwand geheftet, um das spezifische „Dialogbild“ dieser Gruppe deutlich zu machen.

Karten und Flipchart vermitteln ein Bild davon, mit welchen Dialogvorstellungen die TeilnehmerInnen kommen. Das Bild soll bewusst wahrgenommen werden, weil es den Dialogbegriff wesentlich geprägt hat; die Übung soll dazu ermutigen, sich dieses eigene Bild und die eigenen Erwartungen an den Dialog und den Dialogprozess bewusst zu machen.

In der Gruppe können anschließend die zehn Kernfähigkeiten des Dialogs vorgestellt werden.

 

Literatur

Krenz, Armin (2008): Der „Situationsorientierte Ansatz“ in der Kita. Grundlagen und Praxishilfen zur kindorientierten Arbeit. Troisdorf: Vandenhoeck & Ruprecht.

Strugholtz, Maria Regina (o.J.): Achtsame Kommunikation, Katholischer Familienverband Tirol (Hg).

Valentin, Lienhard (2007): Im Alltag surfen lernen. Achtsame Kommunikation mit Kindern. In: Verein mit Kindern wachsen e. V. (Hg): Mit Kindern wachsen. Neue Perspektiven & Wege im Leben mit Kindern. Special Achtsamkeit. Freiburg: Divyanand Verlags-GmbH: 2.

Wiebe, Edeltraud (2010): Kinder haben ein Recht darauf, verstanden zu werden! Ausdrucksformen der Kinder – sehen und verstehen. In: Krenz, Armin

 

Weitere Informationen

Signale der Überforderung beim Kind

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Mag.a Ulrike Kneidinger
Leiterin von SPIEGEL-Elternbildung, Diözese Linz , Wirtschaftspädagogin, Dipl.-Elternbildnerin, Elternkompass- Referentin, dreifache Mutter
  • 3349 Wörter
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