Familienzusammensein

Eltern-Kind-Gruppen – Was ist das?

Eltern-Kind-Gruppen (oft findet sich auch die Abkürzung EKI Gruppe) sind eine Form von Elternbildung. Meist finden diese Gruppen in regelmäßigen Abständen (wöchentlich, zweiwöchig oder monatlich) statt. Sie richten sich an Familien einer Wohnregion und bieten auch neu Zugezogenen einen ersten Anknüpfungspunkt zu Menschen in einer ähnlichen Familienphase.

Die Bezugspersonen (das können Mamas, Papas, Omas, Opas, Tageseltern, Babysitter,… sein) treffen sich mit ihren annähernd gleichaltrigen Kindern in öffentlichen Räumlichkeiten von Gemeinde, Pfarre oder in einem Eltern-Kind Zentrum.

Die Treffen in der Gruppe folgen einer wiederkehrenden Struktur, es gibt fixe Rituale für die Begrüßung, eine gemeinsame Jause und den Abschluss. Dazwischen gibt es Angebote an Fingerspielen, Kniereitern, Liedern,  viel Bewegung, Interessantes zum Erforschen, Experimentieren und zum freien Spiel und immer auch Gelegenheit für die Eltern, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und Informationen zu sammeln.

Da sich alle  in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, bezieht sich der Informationsaustausch überwiegend auf den Alltag mit einem Kleinkind, auf besondere Erlebnisse, neue Entwicklungsschritte, Zweifel oder Ängste. Die Erzählungen der einen regen die anderen zum Nachdenken an und automatisch wird die Verbindung zu deren Lebenssituation hergestellt.

Das, was in der Eltern-Kind Gruppe passiert, wirkt stark in den Familienalltag hinein. Gespräche knüpfen an die direkte Lebenssituation an, Eltern können sich den Alltag mit dem Kind von der Seele reden, sich austauschen oder bloß beobachten, wie sich andere Kinder und andere Eltern verhalten. Auf diese Weise können sie auch ihre eigenen Erwartungen und Ideale immer wieder neu ausrichten und auf ein bewältigbares Maß herunter brechen. Sie erfahren, welche Vorträge oder Seminare in nächster Zeit in der Nähe stattfinden und hören, welche anderen Gruppen und Hilfseinrichtungen es in der Region gibt.

Die gleichbleibenden und wiederkehrenden Elemente in der Eltern-Kind-Gruppe  geben sowohl den Erwachsenen als auch den Kindern einen sicheren Rahmen. Erwachsene genießen die Zeit unter Gleichgesinnten in ähnlichen Lebensphasen und die Kinder haben Gelegenheit in geschützter Atmosphäre und im sicheren Hafen der eigenen Bezugsperson erste soziale Erfahrungen unter Gleichaltrigen zu machen.

Für Eltern mehrerer Kinder ist es oft die einzige Möglichkeit, ungeteilte Aufmerksamkeit für ein einzelnes Kind zu haben und sie können  sich hier ganz bewusst Zeit  nehmen und ihre Beziehung zum Kind stärken.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Eltern-Kind-Gruppe ist ein Ort für Stärkung der Eltern-Kind Beziehung, Informationsaustausch, Gemeinschaftserlebnisse, Elternbildung und Entlastung im Familienalltag.

 

Eltern-Kind-Gruppen leiten

Die Treffen werden von erfahrenen Eltern-Kind-GruppenleiterInnen begleitet. Die Leitung einer Eltern-Kind-Gruppe ist eine intensive pädagogische Arbeit mit Familien und obliegt deshalb einer eigens dafür ausgebildeten Fachkraft. Es geht darum, immer mindestens drei Bedürfnislagen im Blick zu haben: die Bedürfnisse der Kinder, die der Erwachsenen und die der Leitenden selbst. Die Leiterin steckt den methodischen Rahmen für die Treffen und entwickelt eine Struktur für den Ablauf. In der Anleitung der Spiele und Lieder geht es für die Leitenden immer auch um eine sensible Begleitung des Miteinanders von Eltern und Kindern. In Momenten der Überforderung sollen die Mütter, Väter und andere Bezugspersonen Entlastung spüren. Die Art und Weise, wie sich die Eltern-Kind- Gruppenleiterin verhält kann beobachtet werden und eventuell ins eigene Handeln integriert werden.

 

Eltern-Kind-Gruppen Anbieter

Eltern-Kind-Gruppen werden von verschiedenen Elternbildungsträgern in ganz Österreich angeboten und in vielen Fällen (wenn es sich bei den Anbietern um anerkannte Elternbildungsträger handelt) vom Bundesministerium für Familien und Jugend gefördert. Die Qualifizierung der Eltern-Kind-GruppenleiterInnen erfolgt in einer Ausbildung, die durch das Gütesiegel Curriculum des Familienministeriums geregelt ist. Damit wurden auch für diesen Bereich der Elternbildung Qualitätsstandards geschaffen:  Eine Liste der zertifizierten Elternbildungseinrichtungen findet sich auf der Website des Familienministeriums.

Die größten unter diesen Anbietern sind die Einrichtungen der Katholischen Elternbildung. Österreichweit finden (meist wöchentlich) ca. 1500 Eltern-Kind-Gruppen statt, und es werden damit wöchentlich ca. 15.000 Eltern und ihre Kinder erreicht. Die Teilnahme an den Eltern-Kind-Gruppen ist oft gratis oder gegen eine geringe Spende möglich und richtet sich an alle Familien unabhängig von konfessioneller Zugehörigkeit, Sprache, Alter, Geschlecht, Herkunft und Fähigkeiten.  Hier gibt es eine Übersicht über Eltern-Kind-Gruppen im Rahmen der Katholischen Elternbildung.

Um einheitliche Qualitätsstandards sichern zu können definiert die MARKE Elternbildung  Eltern-Kind-Gruppen Arbeit  wie folgt:

  • Eltern-Kind-Gruppen sind  regelmäßige Treffen von Eltern oder anderen Bezugspersonen mit ihren Kindern in den ersten vier Lebensjahren, die von ausgebildeten Eltern-Kind-GruppenleiterInnen geleitet werden.
  • Diese Treffen können als offene oder geschlossene Gruppen geführt werden.
  • Eltern-Kind-Gruppen sind für alle Eltern, Großeltern und Interessierte, unabhängig von ihrer Herkunft oder weltanschaulichen Ausrichtung, zugänglich. Diese Treffen bieten für Erwachsene und Kinder Erfahrungs- und Erlebnisraum, der über die Familie hinaus Kontakt, Austausch, Information und Anregung ermöglicht.
  • Eltern-Kind- Gruppen sind eine niederschwellige Form von Elternbildung, die Eltern über einen längeren Zeitraum begleiten. Sie stärken Eltern in ihrer Beziehungs- und Erziehungsfähigkeit, fördern Kinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung und wirken somit präventiv.
  • Eltern-Kind-Gruppen haben eine besonders effiziente und nachhaltige Wirkung, weil der regelmäßige Austausch direkt am Alltag mit den Kindern, an der Lebenssituation und an der Familienphase anknüpft.
  • Begleitend zu den regelmäßigen Eltern-Kind-Gruppentreffen werden ergänzende Elternbildungsveranstaltungen organisiert. (Definition Eltern-Kind-Gruppen)
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Brigitte Lackner, MAS
Verantwortliche für die Vernetzung Elternbildung beim Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich, Dipl. Erwachsenenbildnerin und Elternbildnerin, Dipl. Montessoripädagogin, Lebens- und Sozialberaterin
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